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Nebenklage im Strafverfahren – Opferanwalt und Kostenübernahme

Die Nebenklage ist ein wichtiges Instrument im deutschen Strafprozessrecht, das es bestimmten Geschädigten ermöglicht, sich aktiv am Strafverfahren gegen den oder die Beschuldigten zu beteiligen.

Während die grundlegenden Informationen zur Nebenklage bereits in dem Blogartikel „Rechtsanwalt Nebenklage: Wie Sie Ihre Interessen bestmöglich vertreten können!“ behandelt wurden, konzentriert sich dieser Beitrag darauf, bei welchen Straftaten eine Nebenklage zulässig ist, wann eine Beiordnung eines Rechtsanwalts erfolgt und welche Vorteile – insbesondere im Hinblick auf die Kosten – damit verbunden sind.

Opferanwalt
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Viele Betroffene stellen sich Fragen wie:

  • Welche Rechte habe ich als Opfer im Strafverfahren?
  • Wann ist eine Nebenklage möglich?
  • Was kostet eine Nebenklage?
  • Bekomme ich als Opfer einen Anwalt auf Staatskosten?

Dieser Artikel gibt Ihnen einen verständlichen Überblick über die Voraussetzungen der Nebenklage, die Beiordnung eines sogenannten Opferanwalts und die Kostenübernahme durch die Staatskasse.

Übersicht:

Bei welchen Straftaten ist eine Nebenklage möglich?

Die Möglichkeit, sich einer Nebenklage anzuschließen, ist im deutschen Strafrecht nicht bei allen Delikten gegeben. Das Gesetz sieht die Nebenklage insbesondere für Opfer schwerwiegender Straftaten vor. Die maßgeblichen Regelungen finden sich in § 395 Strafprozessordnung (StPO). Dort ist festgelegt, bei welchen Delikten Geschädigte als Nebenkläger auftreten dürfen.

Zu den wichtigsten Straftaten, bei denen eine Nebenklage zulässig ist, zählen:

Straftaten gegen das Leben:

 Dazu gehören Mord (§ 211 StGB), Totschlag (§ 212 StGB) und fahrlässige Tötung (§ 222 StGB).

Straftaten gegen die körperliche Unversehrtheit:

Hierzu zählen insbesondere die schwere und gefährliche Körperverletzung (§§ 224, 226 StGB), Misshandlung von Schutzbefohlenen (§ 225 StGB) und auch die sog. einfache Körperverletzung (§ 223 StGB).

Straftaten gegen die persönliche Freiheit:

Darunter fallen beispielsweise Menschenhandel (§§ 232, 233 StGB), Entziehung Minderjähriger (§ 235 StGB), Geiselnahme (§ 239a StGB) und erpresserischer Menschenraub (§ 239a StGB).

Sexualdelikte:

Opfer von Vergewaltigung (§ 177 StGB), sexuellem Missbrauch von Kindern (§ 176 StGB) oder Jugendlichen (§ 182 StGB) sowie bei sexuellem Übergriff können sich als Nebenkläger anschließen.

Weitere Delikte:

Auch bei bestimmten Straftaten wie Stalking bzw. Nachstellung (§ 238 StGB), Verstöße gegen § 4 GewSchG oder anderen Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung ist die Nebenklage unter weiteren Voraussetzungen möglich.

Darüber hinaus kann in Einzelfällen auch bei anderen Delikten eine Nebenklage zugelassen werden, wenn das besondere Schutzinteresse des Opfers dies rechtfertigt. Die genaue Prüfung, ob eine Nebenklage im konkreten Fall zulässig ist, sollte stets durch eine erfahrene Rechtsanwältin oder einen erfahrenen Rechtsanwalt für Strafrecht erfolgen.

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Mehr über meine Leistungen zu Thema Opferhilfe & Opferschutz lesen Sie hier

Wann bekomme ich als Opfer einen Anwalt auf Staatskosten? (Beiordnung nach § 397a StPo)

Für viele Betroffene ist die wichtigste Frage: Muss ich meinen Anwalt selbst bezahlen oder bekomme ich einen Opferanwalt gestellt?

Die Beiordnung eines Rechtsanwalts – also die Bestellung eines anwaltlichen Beistands auf Staatskosten – ist in § 397a StPo geregelt. Man spricht häufig auch vom „Opferanwalt“.

Zwingende Beiordnung

In besonders schweren Fällen besteht ein gesetzlicher Anspruch auf Beiordnung. Das bedeutet: Das Gericht muss dem Antrag stattgeben. Dies gilt insbesondere bei:

  • Sexualdelikten (z. B. Vergewaltigung, sexueller Missbrauch),
  • versuchten Tötungsdelikten,
  • besonders schweren Gewalttaten,
  • minderjährigen Opfern bestimmter Straftaten.

In diesen Fällen erhalten Betroffene regelmäßig einen Rechtsanwalt auf Staatskosten.

Ermessensbeiordnung

In anderen Konstellationen kann das Gericht eine Beiordnung vornehmen, wenn dies zur Wahrung der Interessen des Nebenklägers erforderlich erscheint. Das ist etwa dann der Fall, wenn:

  • die Tat besonders schwerwiegend ist,
  • das Verfahren rechtlich oder tatsächlich komplex ist,
  • das Opfer psychisch stark belastet ist,
  • besondere persönliche Umstände vorliegen.

Hier entscheidet das Gericht nach pflichtgemäßem Ermessen.

Prozesskostenhilfe

Besteht kein Anspruch auf Beiordnung, kann unter bestimmten Voraussetzungen Prozesskostenhilfe beantragt werden. Auch dadurch können die Kosten der anwaltlichen Vertretung ganz oder teilweise übernommen werden.

Was kostet eine Nebenklage? – Vorteile der Beiordnung

Viele Mandantinnen und Mandanten fragen sich: „Welche Kosten entstehen bei einer Nebenklage?“

Ein wesentlicher Vorteil der Beiordnung eines Rechtsanwalts im Rahmen der Nebenklage ist die Übernahme der Kosten durch die Staatskasse. Für viele Betroffene stellt dies eine erhebliche Entlastung dar.

Die wichtigsten Vorteile im Überblick:

Kostenübernahme durch die Staatskasse:
Wird ein Rechtsanwalt beigeordnet, übernimmt die Staatskasse die gesetzlichen Gebühren für die anwaltliche Tätigkeit im Strafverfahren.

Keine Rückzahlungspflicht:
Anders als bei der Prozesskostenhilfe besteht bei der Beiordnung im Rahmen der Nebenklage grundsätzlich keine Verpflichtung, die Kosten später zurückzuzahlen – unabhängig vom Ausgang des Strafverfahrens.

Professionelle Vertretung Ihrer Opferrechte:
Ein erfahrener Rechtsanwalt für Strafrecht kann Akteneinsicht nehmen, Beweisanträge stellen, Fragen an Zeugen richten und Ihre Rechte im gesamten Verfahren aktiv wahrnehmen.

Psychische Entlastung:
Gerade bei schweren Straftaten bedeutet anwaltliche Unterstützung häufig auch eine erhebliche persönliche Entlastung. Sie müssen sich nicht allein mit dem Strafverfahren auseinandersetzen.

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Fazit: Nebenklage, Opferrechte und Kostenübernahme – Ihre Möglichkeiten im Strafverfahren

Die Nebenklage bietet Opfern schwerer Straftaten die Möglichkeit, aktiv am Strafverfahren teilzunehmen und ihre Rechte im Strafverfahren durchzusetzen. Bei bestimmten Delikten – insbesondere bei Sexualdelikten, schweren Körperverletzungen oder Tötungsdelikten – ist die Nebenklage ausdrücklich vorgesehen.

In vielen Fällen haben Betroffene zudem Anspruch auf einen Anwalt auf Staatskosten. Die Beiordnung stellt sicher, dass Opfer ihre Rechte nicht aus finanziellen Gründen nicht wahrnehmen können und professionell vertreten werden.

Wenn Sie Opfer einer Straftat geworden sind und wissen möchten,

  • ob eine Nebenklage in Ihrem Fall möglich ist,
  • ob Sie einen Opferanwalt auf Staatskosten erhalten können,
  • oder welche Kosten konkret entstehen,

berate ich Sie gerne persönlich in meiner Kanzlei in Karlsruhe.

FAQ: Häufige Fragen zur Nebenklage, zum Opferanwalt und zur Kostenübernahme 

Was bedeutet Nebenklage im Strafverfahren?

Die Nebenklage ermöglicht es Opfern bestimmter Straftaten, sich aktiv am Strafverfahren zu beteiligen. Sie treten dabei nicht lediglich als Zeugin oder Zeuge auf, sondern erhalten eine eigenständige Stellung im Verfahren. Als Nebenkläger können Sie – vertreten durch einen Rechtsanwalt – Akteneinsicht nehmen, Beweisanträge stellen und Fragen an Angeklagte oder Zeugen richten. Ihre Interessen werden damit ausdrücklich im Strafprozess berücksichtigt.

Bei welchen Straftaten ist eine Nebenklage möglich?

Die Nebenklage ist insbesondere bei schwerwiegenden Straftaten vorgesehen. Dazu zählen unter anderem Sexualdelikte, schwere Körperverletzungsdelikte, Tötungsdelikte sowie bestimmte Straftaten gegen die persönliche Freiheit. Die gesetzliche Grundlage findet sich in § 395 StPO. Ob in Ihrem konkreten Fall eine Nebenklage zulässig ist, sollte im Rahmen einer individuellen Prüfung geklärt werden.

Habe ich als Opfer Anspruch auf einen Anwalt auf Staatskosten?

In bestimmten Fällen ja. Bei besonders schweren Straftaten – etwa bei Sexualdelikten, versuchten Tötungsdelikten oder wenn das Opfer minderjährig ist – besteht ein gesetzlicher Anspruch auf Beiordnung eines Rechtsanwalts nach § 397a StPO.
In anderen Konstellationen kann das Gericht eine Beiordnung vornehmen, wenn dies zur Wahrung Ihrer Interessen erforderlich erscheint. Maßgeblich sind dabei unter anderem die Schwere der Tat, die Komplexität des Verfahrens und Ihre persönliche Situation.

Was bedeutet die Beiordnung eines Opferanwalts konkret?

Bei der Beiordnung bestellt das Gericht einen Rechtsanwalt als Beistand für das Opfer. Die gesetzlichen Gebühren übernimmt in diesen Fällen die Staatskasse. Für Sie entsteht dadurch grundsätzlich keine finanzielle Belastung. Ziel der Regelung ist es, sicherzustellen, dass Opfer ihre Rechte unabhängig von ihren wirtschaftlichen Verhältnissen wahrnehmen können.

Muss ich die Kosten später zurückzahlen?

Nein. Anders als bei der Prozesskostenhilfe besteht bei der Beiordnung im Rahmen der Nebenklage grundsätzlich keine Verpflichtung zur Rückzahlung – selbst dann nicht, wenn das Strafverfahren mit einem Freispruch endet. Die Kosten trägt in diesen Fällen dauerhaft die Staatskasse.

Welche Kosten entstehen ohne Beiordnung?

Sofern keine Beiordnung erfolgt, sind die gesetzlichen Anwaltsgebühren grundsätzlich selbst zu tragen. Die konkrete Höhe hängt vom Umfang und der Dauer des Verfahrens ab. Unter bestimmten Voraussetzungen kann jedoch Prozesskostenhilfe beantragt werden. Zudem besteht in Einzelfällen die Möglichkeit, Kosten im Wege der Kostenerstattung gegen den Täter geltend zu machen.

Bildquellennachweis: Felicia Manolache`s Images Canva.com

Über die Autorin

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Lena Dieterle ist als Rechtsanwältin für Familienrecht und Opferhilfe in Karlsruhe tätig. Sie vertritt Mandanten engagiert bei Sorgerechtsangelegenheiten, Scheidungen, Umgangsregelungen und in der Opferhilfe bei Schädigungen durch Straftaten.

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Ich bin eine selbständige Rechtsanwältin mit Sitz in Karlsruhe und habe mich auf Strafrecht und Familienrecht spezialisiert. Meine Kanzlei wurde im Jahr 2021 gegründet.

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